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Cyndie Allemann sicherte sich ihre erste Pole
Sieg für Tung und Kool im Trioval

Für den RECARO Formel-3-Cup standen vom 29. – 30. Juli 2006 die Läufe 13 und 14 auf dem Programm. Ausgetragen wurden diese bei der „Eastside 100“ auf dem EuroSpeedway Lausitz Trioval mit einer Länge von 3,251 Kilometer. Mit einer Zeit von 47.330 Sekunden sicherte sich Cyndie Allemann die Bestzeit. Damit sicherte sich die junge Schweizerin die erste Pole-Position im RECARO Formel-3-Cup. Dass dieses Wochenende eine ganz besondere Brisanz bietet, liegt auf der Hand: der Cup fährt als einzige Formel-Rennserie in Europa im Oval. Cyndie Allemann konnte mit ihrer rasanten Fahrt sogar die erfahrenen Piloten beispielsweise von JB Motorsport hinter sich lassen. Der Niederländer Ferdinand Kool wird im ersten Rennen neben ihr starten. Dritter wurde der Chinese Ho-Pin Tung vor Cyndies Teamkollegen, dem Niederländer Renger van der Zande.

Bis zur Hälfte des Qualifyings für den 13. Lauf des RECARO Formel-3-Cup hatte Ho-Pin Tung die Spitze fest im Griff. Er war zusammen mit seinem Teamkollegen Ferdinand Kool im Windschatten unterwegs. Doch nach 16 Minuten übernahm Cyndie Allemann die Spitze und gab sie bis zum Ende nicht mehr ab. Die beiden JB-Fahrer hatten ihr wohl eher aus Versehen einen perfekten Windschatten geliefert. Zwar versuchten sie ihren Fehler im Zweierformationsflug wieder gutzumachen, doch Kool konnte sich nur noch auf den zweiten Rang verbessern und verdrängte Tung damit auf Rang drei.

Wie schon im letzten Jahr spielte der Windschatten die wohl entscheidende Rolle. So lag der Vorteil eindeutig bei demjenigen, der einen Teamkollegen hatte. Aber auch die Fahrer, die als Einzelkämpfer unterwegs waren, suchten sich ihre Partner. Eine Gruppe setzte sich zum Beispiel aus dem Letten Harald Schlegelmilch, dem Lokalmatador aus Altlandsberg Ronny Wechselberger und dem Niederrheiner Nico Hülkenberg zusammen. Wechselberger brachte dieses Zusammenspiel den fünften Platz ein und er war damit Schnellster der Trophy-Wertung, vor Marcel Schuler und Harald Schlegelmilch. Dieser siebte Gesamtplatz ist für den Letten äußerst ungewohnt. Daran sah man, dass ihm sein Teamkollege Joey Foster fehlte.

Foster musste gestern nach einem Unfall im freien Test im Cottbusser Krankenhaus operiert werden. Er war ausgangs Turn 1 innen auf den Curb gekommen, über die Strecke geschlittert und rückwärts in die Mauer eingeschlagen. Die Fraktur des dritten Lendenwirbels wird jedoch ohne bleibende Schäden für den Briten verheilen.

Cyndie Allemann: "Das ist total genial. Ich hätte nie gedacht, ganz vorne zu stehen. Zumal die Ergebnisse von gestern nicht so gut waren. Aber ich hatte wirklich einen super Windschatten. Wie es im Rennen wird, ist schwierig zu sagen. Ich würde gerne meinen Platz halten, aber die Windschattenspiele machen es unberechenbar."

Ferdinand Kool: "Es ist schön in der ersten Reihe zu stehen. Die Pole-Position bringt mir eh nur Unglück. Unsere Fahrzeuge sind sehr schnell. Leider haben wir Cyndie einen sehr guten Windschatten gegeben. Das war dumm von uns, aber wir haben trotzdem einen guten Job gemacht."

Ho Pin Tung: "Es war sehr viel Verkehr auf der Strecke. Ferdinand und ich haben gut zusammengearbeitet und den Seyffarth Autos leider damit geholfen. Aber die Plätze zwei und drei sind eine gute Ausgangsposition."

Im zweiten Qualifying ging Ferdinand Kool nach seiner gestrigen Durchfahrtsstrafe mit einer noch ordentlichen Wut im Bauch an den Start. Mit einer Zeit von 47,105 Sekunden umrundete er das Trioval als schnellster und stand damit für den ersten Lauf am Nachmittag auf der Poleposition. Mit in der ersten Startreihe stand Harald Schlegelmilch. Doch hinter den beiden lauert der gestrige Sieger Ho-Pin Tung auf Rang drei. Aber auch der viertplatzierte Nico Hülkenberg wird im Kampf um den Sieg ein Wörtchen mitzureden haben.

Ferdinand Kool war wieder mit seinem Teamkollegen Ho-Pin Tung auf der Strecke unterwegs. Diesmal sehr bedacht, keinem Konkurrenten ungewollt Windschatten zu geben. Kool übernahm von Anfang an den ersten Platz. Nur der Lette Harald Schlegelmilch konnte ihn für einige Minuten von dieser Position verdrängen. Schlegelmilch arbeitete fast das gesamte Zeittraining über mit Trophy-Konkurrent Ronny Wechselberger zusammen. Während der Lette davon profitierte und sich ständig in der Spitzengruppe aufhielt, konnte Wechselberger den Windschatten nicht nutzen und startet von der achten Position. Auch bei Schuler Motorsport klappte die Zusammenarbeit nicht so gut wie gestern. Während Rolf Biland von der siebten Position ins Rennen gehen wird, startet sein Teamkollege Marcel Schuler nur von 15.

Nico Hülkenberg versuchte sich in den letzten Minuten an die beiden JB Motorsport-Piloten zu hängen, um seine Position weiter zu verbessern. Doch diese waren mit ihrem ersten und dritten Rang vollends zufrieden und ließen die letzten vier Runden eher langsam angehen. Damit bogen die drei unverrichteter Dinge in die Boxengasse ein. Doch Hülkenberg muss sich mit seinem vierten Platz noch lange nicht geschlagen geben. Im Gegendsatz zu Rennen auf den Grand-Prix-Strecken sind die Startpositionen im Oval zweitrangig. Damit besteht auch noch Hoffnung für die gestrige Pole-Setterin Cyndie Allemann. Sie startet in dem 14. Lauf nur von der elften Startposition.

Ferdinand Kool: "Heute habe ich gezeigt, dass ich vorne stehen kann. Es fühlt sich gut an auf der Pole Position zu stehen. Dieses Rennen will ich endlich den ersten Sieg einfahren."

Harald Schlegelmilch: "Ich habe im Zeittraining mit Ronny Wechselberger zusammengearbeitet. Leider konnte er dies nicht so nutzen. Ich bin ganz knapp an der Pole vorbeigeschrammt und damit ist mir leider der Zusatzpunkt durch die Lappen gegangen."

Ho-Pin Tung: "Das Qualifying verlief ganz gut. Ferdinand und ich haben aus unserem Fehler von gestern gelernt und keinem mehr Windschatten gegeben. Hülkenberg hat es noch versucht, aber wir sind mit unseren Startplätzen zufrieden. Schließlich habe ich gestern auch von Rang drei aus gewonnen."

Am Samstag Nachmittag stand dann der erste Lauf auf dem Programm. Als wären die Formel-3-Boliden extra fürs Oval gebaut worden, fuhren die Piloten zu dritt, zu viert durch die Turns. Wer eben noch in Führung lag, fand sich schnell auf dem vierten oder fünften Platz wieder. Aber auch wer weiter hinten lag, musste sich noch lange nicht geschlagen geben. So auch beim letztendlichen Sieger Ho-Pin Tung: Der Chinese hielt sich lange eher im Mittelfeld auf - doch das war alles nur Taktik. Um nicht gleich in den ersten Runden ein Risiko einzugehen, hielt sich der JB Motorsport-Pilot zurück, um sich in der zweiten Hälfte des Rennens in den Kampf um den Sieg einzuschalten.

So balgten sich am Anfang besonders Cyndie Allemann und Ferdinand Kool um die Führung. Doch der Niederländer musste in der siebten Runde zu einer Durchfahrtsstrafe antreten und schied damit aus dem Kampf aus. Er hatte in Turn 1 die weiße Linie überfahren, die verhindern soll, dass die Fahrer auf die Curbs fahren und in Gefahr geraten die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. Doch auf diese beiden lies sich das Rennen sowieso nicht beschränken. Mindestens fünf Piloten stritten sich in der Spitzengruppe. Dazu gehörten auch der Lokalmatador Ronny Wechselberger und Nico Hülkenberg. Doch die beiden berührten sich auf der Start-und-Ziel-Geraden und mussten mit beschädigten Fahrzeugen die Box anfahren.

Die Zuschauer wurde ein spannendes Rennen mit nervenzerreisenden Überholmanöver geboten. Die 18 Piloten zeigten im Trioval eine Wahnsinnsshow. Überholmanöver im Sekundentakt. Erst in der letzten Kurve entschied sich das Rennen: Der Chinese Ho-Pin Tung hatte im Kampf um den Sieg die Nase vorne. Viel mehr als diese Nasenlänge lag auch nicht zwischen ihm und der Zweiten Cyndie Allemann. Die Schweizerin hatte immer wieder das Feld als Führende über den Zielstrich geführt. Als Dritter sah ihr Teamkollege von Seyffarth Motorsport Renger van der Zande die Zielflagge.

Die Trophy-Wertung konnte mit dem vierten Gesamtrang zum ersten Mal Marcel Schuler für sich entscheiden. Direkt hinter ihm sein Teamkollege Rolf Biland. Dritter der internen Wertung wurde der Neuling Marko Nevalainen. Harald Schlegelmilch musste in Runde 16 an die Box, da sein Heckflügel schief stand und damit eine Gefahr für die dahinterfahrenden Fahrzeuge bedeutete.

Ho-Pin Tung: "Es war ein tolles Rennen. In den ersten Runden habe ich mich zurückgehalten. Erst in der zweiten Hälfte habe ich um die Führung gekämpft. Die letzten Runden waren dann extrem spannend. Aber ich vermisse Joey - ich würde lieber mit ihm weiter um die Meisterschaft fahren."

Cyndie Allemann: "Am Anfang war ich immer vorne. Doch dann hatte ich einige schwierige Momente. Am Schluss war ich glücklich, dass ich die äußere Linie hatte und mir damit den zweiten Platz sichern konnte."

Renger van der Zande: "Im Oval zu fahren ist wirklich cool. Aber man muss Respekt vor der Strecke haben und den anderen Respekt zollen, dann geht alles gut. Das Team hat mir ein tolles Auto hingestellt. Schade, dass Joey nicht dabei sein kann."

Um dem Namen der Veranstaltung „Eastside 100“ gerecht zu werden, holte der Veranstalter einen Teil „american feeling“ in die Lausitz. Vor dem Start zum Sonntagrennen, dem 14. Saisonlauf des RECARO Formel-3-Cup, präsentierte man in alter Oval-Tradition alle Fahrer einzeln dem Publikum. Zuvor hatte eine Parade mit Spielmannszügen, Trachtenmädchen und Cheerleadern die Zuschauer auf das Spektakel eingestimmt.

„Lady and gentlemen start your engines“! So läutete Jochen Maas den vierzehnten Lauf des RECARO Formel-3-Cup auf dem EuroSpeedway Lausitz ein. Mit dem Aufheulen der 17 Motoren hielt es die 16.000 Zuschauer auf der Haupttribüne nicht mehr auf ihren Sitzen. Die Piloten bedankten sich mit einem nervenzerreisenden Rennen, in dem wieder drei, vier Fahrzeuge gleichzeitig in die Turns einbogen - nur Zentimeter voneinander entfernt. Überholmanöver im Sekundentakt und wer als Erster in einen Turn einbog, der fand sich nach einer Runde auch mal schnell auf dem fünften Rang wieder.

Doch Ferdinand Kool liebt das Oval und das Oval liebt den Niederländer. Nach seinem Sieg im letzten Jahr entschied Kool auch dieses Jahr das zweite Rennen des RECARO Formel-3-Cup im Trioval des EuroSpeedway Lausitz für sich. Damit holte sich der 25-Jährige nach vier Pole Positions endlich den ersten Saisonsieg. Aber nur Zentimeter trennten ihn vom zweitplazierten Harald Schlegelmilch. Der Lette hatte nur 0,017 Sekunden Rückstand, holte sich aber mit Platz zwei den Sieg in der Trophy-Wertung! Wieder ein grandioses Rennen bestritt die drittplatzierte Cyndie Allemann. Die Schweizerin hatte sich schon nach wenigen Runden von ihrer elften Startposition in die Spitzengruppe vorgearbeitet und sich nicht mehr abschütteln lassen.

Zwar bog Schlegelmilch vor dem Pole-Setter Kool in die erste Kurve ein und führte das Feld die erste Runde an. Doch der Niederländer schlug zurück, übernahm die Führung und hielt sie für die nächsten Runden fest im Griff. Immer belauert von seinem Teamkollegen Ho-Pin Tung und Harald Schlegelmilch. Ab der dritten Runde schaltete sich auch Cyndie Allemann von Seyffarth Motorsport in den Kampf ein. Aber auch Fahrer wie Renger van der Zande und Rolf Biland wahrten sich ihre Chancen. Minuten vor dem Rennen war am Boliden des Schweizers noch schwer geschraubt worden. Das Team Schuler Motorsport hatte zwischen Qualifying und Rennen noch den Motor wechseln müssen.

Für zusätzliche Spannung sorgte eine „full course yellow“-Phase. Dreck in Turn eins gefährdete die 17 Piloten. Doch bereits nach einer Runde wurde die Strecke wieder freigegeben. Doch diese paar Minuten hatten gereicht, um das Feld noch enger zusammenrutschen zu lassen. Wie eng es war, sah man in der vorletzten Runde: Ho-Pin Tung ging nur kurz vom Gas, um eine Kollision zu vermeiden und fiel sofort von Rang zwei auf den siebten Platz zurück. Die letzte Runde reichte dem Chinesen nicht mehr, um in die Spitzengruppe vorzudringen.

Ferdinand Kool: "Nach vier Poles endlich der erste Sieg. Heute habe ich einen guten Job gemacht und das ist auch gut für die Meisterschaft."

Harald Schlegelmilch: "Es war ein tolles Rennen, auch wenn am Ende wieder der Heckflügel schlapp machte. Ich war fast das halbe Rennen auf Platz eins. Leider hat es am Ende dafür nicht gereicht."

Cyndie Allemann: "Es ist einfach unglaublich. Es war einfach ein tolles Rennen. Ich habe mich langsam nach vorne gearbeitet. Später hatte ich mich auf den Rhythmus der Spitzengruppe eingestellt. Zum Glück konnte ich in der letzten Runde Platz drei halten."